Presse
Das berichtet die Presse über uns:
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- GOLD KIDS, LEWD ACTS, YOUNG ONES / 10.09.09 - Kiel, Schaubude
Schon seit einigen Wochen bevölkern die Werke der GOLD KIDS und LEWD ACTS schon meinen tragbaren Musikspieler. Genau solange freue mich auch darauf, diese Bands mal live zu sehen. Nur hab ich mir leider nie gemerkt, wann sie eigentlich spielen. So kam es, dass ich anner Bushalte sitze und Mäxchen zufälligerweise vorbei radelt und mich anpöbelt, dass ich gefälligst inne Bude komm. Und so machte ich mich ein paar Stündchen später auf den Weg zur Schaubude. Als ich dann gegen 22 Uhr die Bude betrete, ist es zwar nicht wirklich voll, aber auch nicht schlecht gefüllt für einen Donnerstag. Was wohl daran liegt, dass Kevin von ANY PORT IN THE STORM heut seinen Geburtstag feiert. Als erstes spielen YOUNG ONES aus Schweden auf. Geboten wird moshiger Hardcore, manchmal ein bisschen angeprollt, aber gut! Zwischen zwei Songs wird noch "Meat is murder" skandiert und nach ca. acht knackig kurzen Songs isses dann auch schon vorbei. GOLD KIDS legen dann auch gleich mit meinem Lieblingssong „Winter, 365 days a year“ los, das Ganze kommt sogar noch 'n bisschen geiler als auf Platte. Songs wie „Fall Depression“ und „Heartless Phonecalls“ können absolut überzeugen, einzig das fast neunminütige „when leaving is the cure“ vermiss ich. Nach dem „Interlewd“ legen LEWD ACTS aus Californien auch schon richtig los. Geboten wird Hardcore mit 'ner Kelle Metal. Megaintensiv knallt mir ein Song nach dem anderen gegen den moshenden Kopp. Das Liedgut besteht aus äußerst kurzen Stücken zwischen 'ner halben und eineinhalb Minuten, einzige Ausnahme ist das monomentale „Play me something that I know“ vonner Split mit LUNG PATROL (die dürfen ruhig auch mal nach Kiel kommen), das zum Schluss gespielt wird. Drei tolle Bands, die leider nicht die Aufmerksamkeit bekommen haben, die sie verdient hätten! http://mosh.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1736&Itemid=116 ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ HELLO BASTARDS, BANDANOS / 03.09.09 - Kiel, Schaubude
So, auch ich reihe mich jetzt endlich ma in die werte dremu-Autoren-Riege ein. Hatte ich schon lange ma vor, aber aus welchen Gründen auch immer erst jetzt an dieser Stelle mein erster Bericht. Here we go!
Um ca. 22 Uhr in der Schaubude angekommen, gesellten sich noch nich allzu viele Gestalten hinzu, diesem Abend beizuwohnen. Mir egal, ich hatte Bock auf Live-Mucke. Ich war nämlich einer der vielen, die Montach nich mehr reingekommen sind. Dass es sooo voll werden würde, hätte ich auf jeden Fall nich für möglich gehalten. So wurde auch nochmals berichtet, wie krass voll der Laden bei Antitainment denn eben nu war. Ich würde von diesen Berichten ausgehend fast schätzen, dass wenn jeder, der am besagten Abend nich mehr das Glück hatte, einen begehrten Stempel zu ergattern, heute erschienen wäre, die Bude abermals ratzevoll geworden wäre. Is aber nich so passiert und so würde ich auf ca. 25 Nasen tippen, obwohl ich jetzt nich der Tipp-Gott bin. Einzeln gezählt hab ich sie jedenfalls nich. War jetzt aber nich wirklich total unangenehm leer, sondern einfach ok, auch wenn der eine oder die andere mehr auch schön gewesen wäre. Um 22.30 begann der Reigen mit den veganen Straight-Edge-Anarchisten „Hello Bastards“ aus London/UK. Der Opener war schon ma n cooles Instrumental, bei dem sich der Drummer richtich schön austoben konnte und die Zwerchfelle ordentlich malträtierte. Den Gesang teilten sich ein männlicher und eine weibliche Sänger/in, wobei der Mann eher für das Schreien/Gegrowle und Faust-in-die-Luft zuständich war, die Dame für das Kreischen in höheren Stimmlagen und Zwischendempublikumdurchschlendern. Musikalisch ging es dann so in die crustige Punk/HC-Richtung. Leider reisten sie ohne Bassisten an, der – wohl einige Zeit illegal in England lebend – nicht mehr in England verweilt und somit nich mitkommen konnte. So weit ich mit meinen Englisch-Kenntnissen das richtig verstanden habe. „No countries, no borders“ waren dann auch u.a. die Forderungen, die der Sänger in den Raum schmetterte. Insgesamt behandelten wohl fast alle Songs (die Texte kann man nu wirklich nich immer verstehen, wenn in Lichtgeschwindigkeit rumgewirbelt und geshoutet wird ?) relevante (gesellschafts-)politische Themen. Auch ohne Bassdruck auf jeden Fall ein äußerst kurzweiliger und intensiver Auftritt.! Was folgte, war die zweite Band des Abends: die Bandanos aus Brasilien. Rein optisch war schon recht eindeutich, wem die 4 Mannen huldigten. Ich würde fast wetten, wenn „Familienduell“ in Kreisen der Stias gespielt und Werner Schulze-Erdel in seinen schwarzen Slippern inkl.weißen Tennissocken fragen würde: „Nennen sie mir die 3 häufigsten Antworten auf die Frage: Welche Person ist bekannt für sein Bandana tragen?“, viele antworten: Mike Muir. Und genau eben jener samt seiner Band ist ein offensichtlicher Einfluss. So trug der Gittarist eine Suicidal Tendencies- Kappe und der Sänger nebst Drummer selbstredend ein Bandana. Die Musik ging auch in die (früheren) Suicidal-Sachen, wenn auch irgendwie härter und hardcorelastiger, ohne eine blöde Kopie derselbigen zu sein. Der Sänger gefiel in seinem geil prolligen Oldschool-Style. The 80ies will never die! Kutten sind einfach geil! Ein Grinsen konnte ich mir so und mit seinem beim Singen äußerst verzerrten Mund nich verkneifen. Im Laufe des Auftritts schien durch, dass sich die beiden Bands wohl gut verstehen. So wurden Erinnerungsfotos geschossen: der Gittarist der Hello Bastards stellte sich hinter jedes Bandmitglied der Bandanos und ließ jeweils Fotos mit 2 ausgestreckten Schumi-Daumen machen…während die Band spielte! 2 Lieder wurden auch mit Hilfe von Leuten der Vorband gespielt. Bei Peder wurde sich auch noch artich bedankt, der darauf folgend vor die Bühne gezogen und zu einem Crowdsurfen missbraucht wurde, bei dem sein Körper die Flieh-und Schwerkräfte zu spüren bekam. Jener quitierte das dann mit einem wohl eher erzwungenem Lächeln. ;) Mehrere (ziemlich heftige) Circle-Pits gab es dann auch noch zu bestaunen, wobei wohl fast die komplette Road-Crew mitmachte! So wirklich aufhören wollten die sympathischen Herrens dann auch nich, gegen 24 Uhr war dann aber endgültig Schluss. Ich musste dann auch schon längst in die Heia, da nächsten Morgen früh aufstehen angesagt war! ? Schöner Abend auf jeden! Was gabs noch? Achja, Cover der Suicidals und Sepultura. Den Contest, wer das Bandana tiefer ins Gesicht ziehen kann sowie das Posen gewinnt wohl weiter der gute alte (und dicke) Mike, auch wenn der Sänger der Bandanos schon fast gleich aufzieht. Wer weiß, was da noch geht?! An dieser Stelle möchte ich mich mit einem riesenfetten Lob und Dankeschön bei Dickie und jene, die die vielen Sachen auf die Beine stellen, bedanken, die so ein geiles Programm aufstellen (da komm ich mir mitunter schon fast schäbig vor, weil ich nich alles mitnehmen kann).!!! Super Arbeit, das!!!! Bleibt zu hoffen, dass mitunter die Leute das auch häufiger wahrnehmen! Wenn die Bude beim dremu-Poll nich ganz weit vorne landet bei „wo geh ich wech“, fresse ich einen Besen! In diesem Sinne: Stay Cyco! http://mosh.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1728&Itemid=116
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------- BANDANOS, HELLO BASTARDS / 03.09.09 – KIEL, SCHAUBUDE
Dem Unwetter trotzend kämpfe ich mich durch die Sintflut zur Schaubude, um zu feiern, dass Crossover HC noch lange nicht tot ist. Als ich gegen halb zehn die Bude betrete, ist es noch alarmierend leer, was sich aber auch den Abend über nicht wirklich ändern soll. Nach längerem Warten betritt dann auch endlich die erste Band die Bühne: HELLO BASTARDS aus London können mit ihrem Vegan/Sxe/Powerviolence die ca. 20 Besucher vor die Bühne locken. Die Band besteht heute nur aus vier Menschen (Drummer/ Gitarrist/Sänger/Sängerin) da Basser Santiago wohl illegal in England lebte und wohl nach Israel abgeschoben wurde oder so. Aber auch ohne Bass böllern die Jungs und das Mädchen wie Sau. Wer Vergleiche braucht, höre CHARLES BRONSON, DROP DEAD oder EXTREME NOISE TERROR. Es gibt Ansagen gegen Borders and Nations und für Animal Liberation. Generell gehts textlich äußerst politisch zur Sache. Nach ungefähr 25 Songs in 20 Minuten ist das musikalische Gewitter leider auch schon wieder vorbei. Nach einer kurzen Umbaupause geht's auch schon weiter. Bandanos drosseln zwar das Tempo ein wenig im Vergleich zu HELLO BASTARDS, dafür wird's jetzt umso intensiver. Die vier Herren aus Brasilien kennt man vielleicht schon von Bands wie QUESTIONS oder POINT OF NO RETURN. Nach einem etwas schwachen Einstieg wird die Stimmung von Band und Publikum immer besser und es wird vereinzelt mitgesungen, gemosht oder sonst irgendwie rumgeasselt. Zum Song „Punks and Thrashers all for good“, der den deutschen Legenden KREATOR und DESTRUCTION gewidmet wird, gibt's den wohl größten Circle Pit, den die Bude je gesehen hat. Ab jetzt dreht das Publikum endlich auf und es gibt reichlich Crowdsurfen, Pogo und Circle Pit! Zum Schluss gibt's noch Cover von den SUICIDAL TENDENCIES, SEPULTURA und vielen mehr! Ich muss sagen, dass mich schon länger keine Band mehr so gut unterhalten hat wie BANDANOS. Echt schade, dass nur so wenig Leute da waren. http://mosh.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1725&Itemid=116----------------------------------------------------------------------------------------------------------------- ANTITAINMENT, TRAGIC VISION / 31.08.09 – Kiel, Schaubude
„Dicki, wie soll’n das gehen? ANTITAINMENT inner Bude? Ist doch viel zu klein!“ „Ach wat, issen Montag, Ferien sind auch vorbei, dat passt schon…“ Dialogfetzen im Vorfeld des Konzerts. Natürlich war es dann absolut überfüllt – kaum hatte dat Kassenfräulein die Türe geöffnet, erhoben sich Scharen von herumlungernden Punkern und sonstigen BesucherInnen und bildeten eine Traube vor der Bude. Ausgerechnet in diesem Augenblick musste eine Anwohnerin mit ihrer Karre genau durch die Einfahrt zum Hinterhof. Vom Anblick der pöbelnden und nur unwillig weichenden Meute offenbar verunsichert, schrammte die Fahrerin dann ´noch mit einem hässlichen Laut an der Wand lang. „Wall of death?“ – „Nee, Wall of Lackschaden“, kommentierten zwei Beobachter. Ich profitierte indes durch den Zwischenfall, hatte mich doch das Zurückbranden der Menge mehrere Meter näher an die Kasse gespült! Und so… darf ich mich einer der Glücklichen nennen, der einen Stempel ergattern konnte. Nach 20 Minuten also ausverkauft, viele waren umsonst gekommen (wobei die Party draußen an sich schon nett war). So sehr man es natürlich der Band und natürlich auch der Bude gönnt, wäre es aber in der Meierei angenehmer gewesen. Zu heiß, zu eng, zu viele sich aneinander reibende Körper. Aber noch nicht bei TRAGIC VISION. Die spielten vor vergleichsweise magerer Kulisse. Und womit? Mit Recht. Denn die Jungs sind das perfekte Beispiel für eine Band, die zwar gut zusammenspielt, aber keine packenden Songs bietet. Der Vergleich mit ANTITAINMENT mag hier noch zusätzlich abtörnend gewirkt haben, so war das einfach zu langweilig. Kurz vor der ANTI-Show musste man dann um einen Platz ringen, von dem aus man einigermaßen sehen kann. Gelang mir auch, doch dafür prasselte mir doch der eine oder andere Diver unvermutet plötzlich auffe Birne. Die Leute konnten wirklich viele Texte auswendig und schmetterten begeistert mit. Man kann also konstatieren, dass die Stimmung 1A war. Neu bei ANTITAINMENT war die Automatisierung ihrer Ansagen – man hatte die typischen Animiersprüche von Hardcoreshows (oder auch generell Konzerten) in fiesestem Zirkus-Anpreis-Duktus konserviert und konnte so den Mob mit „Ihr seid super!“, „Passt auf eure Nachbarn auf!“ oder „Das Essen war sehr lecker“ bombardieren, während man dazu seelenruhig die Instrumente stimmte. Meine Highlights waren heute „Sechstagewoche-Gummimann“ (hier setzte ein Gehüpfe ein, wie bei… keine Ahnung… Manowar vielleicht), „Die Metal-Mosh-Maschine“ und „True Till Bored To Death“. Allerdings habe ich doch ein, zwei Stücke vermisst, so fehlten mir der „Themesong“ doch sehr (dafür brüllte der ganze Laden zum Schluss: „AN-TI-TAIN-MENT – viel besser als deine Band“) und auch „Waterride The Lightning“ wurde skandalöserweise nicht gezockt. Aufgrund der beengten Zustände fand ich’s heute etwas weniger geil als in Neumünster mit Tackleberry, aber das kann man der Band nicht anlasten, die kloppten ihre völlig wahnsinnige Mucke wieder mit ordentlich Verve raus. „Revolution heißt zu tun, was man von dir will.“ http://mosh.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1724&Itemid=116------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ 01.09.2009 | 18:29 Uhr | kn | Carsten Purfürst
Wohldosierte SprengsätzeBeim ausverkauften Schaubuden-Gig der Punk-Band Antitainment blieben rund 100 Fans vor der Tür
Kiel - „Wer aussieht wie ein Elternteil von sich, kann kein Punk sein.“ Die selbst ernannte Frankfurter „Boygroup“ Antitainment gastiert in der Schaubude. Schon kurz vor neun ist der Laden ausverkauft, rund 100 Gäste bleiben vor der Tür. Diejenigen, die das Glück hatten, einen Stempel zu ergattern, erwartet ein Feuerwerk des Unerwarteten: fiepende Orgeln im Soundbrei von Hardcore und Metal-Ansätzen, gespickt mit Jazzakkorden à la Primus. Antitainment haben offenbar spätestens seit ihrem Auftritt zu Silvester in der Alten Meierei in der Fördestadt Kultstatus erlangt. Die Luft in der Schaubude, man kann sie in dicke Scheiben schneiden, als Tobe (Gitarre, Gesang), U.W.E. (Bass, Gesang), Jo (Schlagzeug) und Matze (Tasten) loslegen.
Nach der Kippe Pogo! haben sie ihre neue Platte getauft, Sechstagewochegummimann, You Will Never Drown In A River Of Tears Because Your Eyeliner Is Not Waterproof oder auch Unkonkret vs. Wahllos die Titel der Songs. Vor begeisterter Menge wird geklöppelt, geprügelt, gemosht. Ein wenig erinnert der Wahnsinn gar an die Art-Rock-Riesen der 70er wie Gentle Giant oder King Crimson, was Antitainment durchaus als Nestbeschmutzer des Punkrock auszeichnet. Mutig - und modern. Wie man die Breaks, Fills, Stops and Goes übt, geschweige denn sich an deren Abläufe erinnert, bleibt das Geheimnis des Quartetts, das sich auf der Bühne in schweißtreibendem Stageacting ergeht. Klingt die Gitarre stellenweise nach dem rauen Charme der 60er, hat dies die Beständigkeit einer Fünf-Minuten-Terrine, die im nächsten Augenblick zu einem hochexplosiven Sprengsatz mutiert, in dem sich Geschrei und Keyboard-Geblubber störrisch ihre Wege bahnen. Tragic Vision als Vorgruppe klangen da schon konventioneller, wurden vom Großteil der Gäste geflissentlich ignoriert, wie es so manches Mal das Schicksal eines Support Acts ist. Dabei wirkt der Punk'n'Roll der Combo grundsolide, durfte seit Mitte der 90er reifen. Doch es sind Antitainment, die den Abend dominieren. Denn wer den Song Als Manowar den Krieg verlor mit dem Untertitel einfach nur anhören und feststellen, das deine Manowar-Plattensammlung so überflüssig ist wie wählen gehen versieht, bewegt sich auf schmalem - wenn auch wahrhaftigem - Grat. Unterm Strich bleibt jede Menge Lärm, skurrile Arrangements und Gruppen von Jungpunks, die es sich mitten auf der Legienstraße gemütlich gemacht haben. Ein bleibender Eindruck. URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=110681&em_loc=12
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 27.08.2009 | 18:09 Uhr | kn | Karen Jahn
The Broken Beats: Bekenntnis zum UnperfektenKiel - „Damals war es bloß ein einziges Chaos, deshalb haben wir uns so genannt. Mittlerweile spielen wir allerdings Musik.“ Fast entschuldigend witzelt Kim Munk, Frontmann von The Broken Beats, auf der kleinen Bühne der Schaubude. Die dänische Hippie-Kommune um den schlaksigen Conférencier mit Hang zur unprätentiösen Komik machte Station an der Förde und überzeugte bereits zum zweiten Mal das Kieler Publikum mit einer originellen, in leichte Schräglage verpackten Show, die wie ein liebenswertes Bekenntnis zur Unperfektion wirkte. Aus Arhus kommt die Musiker-Truppe, deren Basis ein Quintett ist, die aber auch locker mal 13 Leute auf die Bühne bringt - je nachdem, wer gerade so mitmacht. So gesehen treten The Broken Beats heute sicherlich in einer Art Sparversion auf. Rein quantitativ, versteht sich. Tastenmann Sommermeyer, der einzige Nicht-Däne des Haufens, lässt sich krank entschuldigen und kuriert sich womöglich im heimischen Paderborn. Als Quartett bringen Munk und Mitmusiker heute also ihre Songs unter die Leute, noch dazu mit nagelneuem Bassisten, der sich ansonsten in der dänischen Death-Metal-Szene tummelt. Aus mittlerweile vier Alben schöpfen The Broken Beats ihren Stoff, das aktuelle You're Powerful, Beautyful und Extrodinary ist bisher erst in Dänemark veröffentlicht. Weniger barocker Bombast als noch in den Anfangstagen, mehr die großen Melodien der 60er á la Bacharach, Beach Boys und wie sie alle heißen sowie schnoddriger Indierock sprechen aus den Songs. Knackig klingt das, voller überschäumendem Drive, und auch dem Pathos wird hier und da ein Handkuss gehaucht. Grandiose Entertainer-Qualitäten müssen sicherlich Kim Munk bescheinigt werden: paddelig, Haupt- wie Barthaar akkurat gepflegt und im weißen Leinenzwirn, wirkt er wie ein entfesselter Oberstufenlehrer auf LSD. Songs bricht er auch mal ab, weil er doch noch das Gitarrensolo zu Ende spielen will. Bedient die Saiten mit den Zähnen, weiß genau, wie man ein Publikum unpeinlich zum Einklatschen bringt, zappelt und rudert zwischen den Akkorden mit den Armen und kauderwelscht sich auf Deutsch durchs Programm. Sehr toll und sicherlich schon jetzt eines der Kieler Konzerthighlights in diesem Jahr. URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=109868&em_loc=12
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- BRUTAL POLKA – 22.08.09 / Kiel, Schaubude
Überall „Schall & Rausch“ oder lustige Kahnpartien auffe Schlei – nur inner Schaubude nich’ – da is’ Polka! Polka? So mit Gebläse und Geschunkel? Nee, brutaler! Denn: hier ist alles anders! Kein aufgesetztes Lächeln, keine Lederhosen – und Blasmusik schon mal gar nicht! Wenn schon düdelige Töne, dann aus dem Keyboard. Den Rest erledigen metallig-rockige Gitarren, ein schon mal blastiger Beat und ein fünfsaitiger Bass. Selbiger wird von Jesus gezupft (jetzt geht’s aber los hier …). Ja, Jesus – und er trägt einen Stringtanga! Ja, und in Plutoniumgrün! Mein lieber Scholli – wenn dat ma’ nich’ blasphemisch is’ … Ach wat – alles nur Show! Da gibt’s nämlich noch nen Gitarristen in imperialer Sternenflottenuniform, einen weiteren im Supermann-Kostüm („Beer Man“), einen Schlagzeuger in S/M-Outfit sowie den Frontmann in einer Polizei(?)-uniform. Ein buntes Völkchen also – passend zur Musik. Da gibt es nämlich rockige Songs, metallische Riffs, fusigen Jazz, quietschende Soli, verquere Takte, `nen „Bag Of Doom“ und `ne Menge Spaß! Hier is’ was los! Das Grinsen in meinem Gesicht ist wie fest gemeißelt. Lohnt sich auch nicht, damit aufzuhören, denn andauernd gibt es neue manigfaltene Gründe die Mundwinkel nach oben wandern zu lassen. Mit der kleinen Bühne geben sich die Herren Musiker nicht zufrieden. Man rockt mit den Leuten vor derselben, man tanzt, dreht sich im Kreis, hüpft, springt und bangt, als wenn’s kein Morgen gäbe. Tut es gewissermaßen auch nicht, denn dies ist der letzte Tag der Tour. Man sollte meinen die Band is’ ziemlich auf (zumindest `n büsch’n … ), aber nichts da! Hier wird gefeiert und musiziert, als wenn’s der erste Tag unterwegs wäre. Dank der Funkgesteuerten Instrumente bewegen sich die Jungs sogar bis vor die Tür(!), generell IN den Zuschauern und speziell auch mal (liegender weise!) auf den Bänken im hinteren Bereich. Auch von da lässt es sich vortrefflich singen! Die Schaubude gleicht einem Tollhaus! Drei der Insassen lassen dies besonders deutlich werden: gut angetrunken „tanzen“ und krakeelen sie wie die Irren und selbst BRUAL POLKA wird deren Gehabe bald zuviel: rundheraus wird ihr „Tanzstil“ und ihr Gebrülle persifliert. Ob sie’s geschnallt haben … ? Nicht nur, dass BRUTAL POLKA mit dem Publikum kommuniziert, man unterhält sich auch blendend mit den Bandkollegen. Jeder Song wird mit lustigen Sprüchen eingeleitet, so als ob die Songs an sich nicht schon lustig genug wären. Songtitel gefällig? Ok, ihr habt’s nicht anders gewollt: „Small Dick“, „I Wish I Could Masturbate With My Left Hand“, „Micro Penis“, „Hardcore Star“, „When Did Fat Mike Become A Hippie?” und nicht zuletzt “Gehn’ wie ein Ägypter” von den BÄngels … “I’m not gay – I’m bi-courius” gehört – äh … auch noch zu den Kuriositäten. Unterhaltsam ohne Ende also. Irgendwann lässt dann auch der Frontmann die Hüllen fallen und performt in rot/weiß gepunkteten Unnerbuxen weiter – und so was ist Lehrer für Philosophie … tststs. Irgendwann taucht ein Mädel aus dem Publikum auf, das sich prompt ans Klavier stellt und „Alle meine Entchen“ zum Besten gibt. BRUTAL POLKA lassen sich nicht lumpen und stimmen kurzerhand mit ein. Kommentar eines Bandmitgliedes: „I like your shirt (Run DMC) – and your … things!“ Nette Aktion; generell! Als die Dame wenig später aber auch der Gitarre an die Saiten will, lehnt “Beer Man” schnell ab. Kommentar aus dem Publikum: „Du hast deine dreißig Sekunden gehabt!“ Schmollend zieht das Mädel von dannen. Irgendwann setzen die Israelideutschen dann aber doch mal `nen Schlusspunkt. Aber ohne Zugabe kommen sie nicht davon. Obwohl der letzte Song nicht sooo der Überflieger ist, entpuppt er sich doch als Höhepunkt, denn nachdem sich alle Musiker so pöapö verabschiedet haben, trommelt der Schlagmann weiter – immer einen bestimmten Rhythmus – mit voller Power – Minutenlang. Irgendwann kehrt Ruhe ein. Aber nur kurz, denn betont langsame Schläge läuten eine doomige Phase ein. Diese steigert sich mehr und mehr zu einem weiteren Kraft – und Speed – Akt. Es endet in fulminantem Blast – und kehrt ganz zum Schluss zum Ausgangsthema zurück. Puuuhh – durchatmen – wat’n geiles Ende! BRUTAL POLKA ham’s mir so richtich besorcht, Aller! Ich sach da nur: Brutal KLIMAX Polka!
Torsten http://mosh.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1708&Itemid=112 ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 23.08.2009 | 19:38 Uhr | kn | Carsten Purfürst
Schreiattacken im neongrünen StringtangaDeutsch-israelische Band Brutal Polka inszeniert in der Schaubude ihren Rock'n'Roll
Kiel - „Gore-Metal Boogie-Bluegrass Techno-Death Jive-Gospel Waltz-Fast Bossa -Band“ - liest man dieses Monster einer vermeintlichen Stilrichtung, könnte man denken, die dazugehörigen Künstler überschätzen sich selbst. Doch das Konzert der Band Brutal Polka in der Schaubude zählt nicht nur zu den absoluten Event-Highlights des Jahres, sondern zeigt, dass im Rock'n'Roll immer noch viel mehr geht. Unfassbar, was sich da abspielt: Gitarrist Doubleboy im Superman-Kostüm gibt sich zusammen mit Counterpart IZ ein Stelldichein der Heavy Metal Riffs, Reggae-Upstrokes und Schreiattacken im Background, während sich Keyboarder und Frontmann Kramer E. Frog die Klamotten vom Leib reißt und damit immer noch nicht an die visuelle Irritierung heranreicht, die Bassist „Jesus“ Zoltar the Wizard im neongrünen Stringtanga vorsetzt.
Vor der Bühne ist bei dieser Band auf der Bühne, Publikum und Künstler moshen in trauter Eintracht. Dabei ist die Musik nicht zu fassen: ein postmodernes Potpourri aus allem, was populäre Musikkultur heute ausmacht. Die Arrangements ähneln dem Konzept einer Rock-Band, doch spätestens bei Walk Like An Egyptian der Bangles wechselt die Nummer von der Symphonie zum reinen Spaßfaktor. Überhaupt sind Brutal Polka fürchterlich albern. Die überladene Collage leerer Zeichen gibt sich kurzweilig und wirkt in den Glockenspielsounds des Keyboards bizarr. Gorgeous Caesar am Schlagzeug könnte auf jeder Heavy Metal Stage der Welt bestehen, trüge er nicht dieses seltsame SM-Outfit. Es ist sehr warm in der Schaubude, und es riecht extrem nach Männerschweiß. 2004 gegründet, setzen sich Brutal Polka aus deutschen und israelischen Mitgliedern zusammen. A Tribute To Mainstream, Politics Shmolitics und The Gargantuan Return Of The Holy Cocks sind die Titel ihrer Veröffentlichungen. Kramer E. Frog fixiert die tanzende Meute mit manischem Auge, während die anderen Bandmitglieder ihre Mähnen fliegen lassen. Man kommt aus dem Lachen nicht heraus, Brutal Polka sind in ihre Unnachahmlichkeit so schwer verdaulich wie unterhaltend. Bleibt zu hoffen, dass sie im nächsten W:O:A-Programm gesetzt sind, wie ihnen Kiel nach diesem fabelhaften Auftritt offen steht. URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=109152&em_loc=12
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- SISTA SEKUNDEN, CN ROUNDHOUSE KICK / 15.08.09 – Kiel, Schaubude
“Wer is er? Sommerloch?“ Die Frage des jungen Punks mutet nur auf den ersten Hör seltsam an. Denn das Phänomen, dass Läden eine Sommerpause machen (bzw. alle Läden gleichzeitig) gehört der Vergangenheit an. Schaubude sei Dank (in diesem Fall natürlich auch Klownhouse) gibt es auch heute wieder was Feines in Sachen Hardcore/Punk um die Ohren. Und zur Wahl steht sogar noch ein Konz in der Meierei, über das hoffentlich noch andere berichten werden. SISTA SEKUNDEN scheinen aber zum Wetter des heutigen Tages besser zu passen: „Sunny with a chance of piracy“, geht doch ein ca. 40köpfiger Punkermob den Tag erst mal entspannt mit einer Geburtstags-Saufdampfertour (cheers Fabian) an. Einige bleiben dabei auf der Strecke, doch das ist eine andere Geschichte, der glückliche Rest erlebt ein geniales HC/Punk-Konz und zwar wie folgt: CN Roundhouse Kick aus Leipzig beginnen schon recht nett, wenn auch nicht völlig spektakulär. Die Gleichförmigkeit der Songs wird allerdings durch Enthusiasmus und Spielfreude wettgemacht. Der Sänger wackelt ordentlich mit den Hüften, bringt alle mit netten Ansagen in breitem Sachsen-Slang zum Grinsen und der Drummer strahlt beim Prügeln wie ein Honigkuchenpferd. Wenn DEAN DIRG in Schweden spielen, werden BesucherInnen dort sicher Dinge sagen wie „Alter, das sind die deutschen SISTA SEKUNDEN!“ Umgekehrt ist das jedenfalls so, der Sänger sieht aber auch schon zu und zu hart aus: Schnurrbart, 20 cm breites Halstattoo, Speckmatte, selbstgemaltes SUICIDE BLITZ-Shirt (später ausgezogen), winzige Hot Pants aus Jeans… Und musikalisch benutzen SISTA SEKUNDEN vergleichbare Zutaten: Energie, kurze Songs, Gitarren nicht allzu krass verzerrt, Tod, Blut und Wahnsinn. Wir ZuschauerInnen feiern mit jedem Song mehr, im Nachhinein seltsam, dass kein komplett entfesselter Pogo durch die Bude tobt. Der Sänger hat das positive Quäntchen Durchgeknalltheit (okay, mit ‘nem Quäntchen kommt man nicht aus), das eine gute HC-Band braucht: Die ganze Gestik und Mimik muss man gesehen haben, das lässt sich schwer beschreiben – er tanzt, windet sich, räkelt seinen 1,50 m langen Körper lasziv, schreit, brüllt und bisschen singt er auch. Wenn man jetzt noch die Texte verstehen könnte! Die sind aber schwedisch. Es scheint nicht um den sonntäglichen Kirchenbesuch zu gehen, so werden wir alle aufgefordert, uns zu tätowieren, und sei es mit einem erhitzten Kugelschreiber, denn: „Tattoos are for punks!“ (Tattoos är punk). Nach zwanzig Minuten wollen SISTA SEKUNDEN den Auftritt beenden – die Anwesenden brüllen entsetzt auf und trotzen den stinkenden Schweden einen weiteren Song nach dem nächsten ab. Wer es nicht glaubt, höre selbst rein: http://www.myspace.com/sistasekunden, live allerdings noch deutlich intensiver. http://mosh.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1692&Itemid=112 ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 17.08.2009 | 17:45 Uhr | kn | Jens Raschke
cOFFEIn und Emily and The Orgasm Addicts in der Schaubude
Kiel - „So, unser nächster Song heißt Schau auf die Uhr“, erklärt Sänger Lukay etwa zur Halbzeit des Auftritts seiner Band cOFFEIn in der übersichtlich besuchten Schaubude. „Jaja, mach das mal schön selbst“, möchte man entgegnen, denn da sind bereits gefühlte 100 Minuten ins Land und über die Bühne gerumpelt; dabei waren's noch nicht mal 20. Man muss es leider sagen: cOFFEIn aus Schönberg zählen unter den vielen Hartmusik-Formationen im Kieler Umland nicht zu den begnadetsten und einfallsreichsten.
Das galt für ihren letztjährigen Rathausbunker-Auftritt im Vorprogramm der famosen Trip Fontaine, der ebenfalls durch Überlänge glänzte, und das gilt auch heute. Weder eine selbst auferlegte halbjährige „Kreativpause“, noch die Erweiterung des Teams um einen Mitspieler haben großartig was dran ändern können: Lukay singt nach wie vor seine wohlfeilen, anti-systematischen Entrüstungstexte (Schnittlauchbullen), Cpt. Timothy und Neuling Sven spielen Gitarre, Eschi lässt im selbst genähten Superman-Kostüm den Bass schnarren, und Schlagzeuger Dingo zieht den Rhythmus angestrengt bis ins Speedmetalhafte an. Für den Winter ist das erste Studioalbum angekündigt. Na gut. Diese Kür haben Emily and The Orgasm Addicts aus dem dänischen Aarhus bereits längst hinter sich gebracht. Es folgt die Pflicht: die 13 knalligen Dreiminuten-Songs ihres 2007 erschienenen Debütalbums mit dem berüchtigten Banana-Blowjob-Cover adäquat und live auf die Schaubudenbühne zu bringen. Es gelingt nur teilweise. Zwar versprüht Frontfrau Emily dank irischen Geblüts, ausladender Rundungen und quietschender Kleinmädchen-Singstimme jede Menge einnehmendes Charisma und distanzierte Extravaganz. Aber irgendwie fehlt der ganzen Angelegenheit dann doch die restlos überzeugende Abschlussenergie. Was nicht zuletzt eine Sache des Sounds und der Instrumentenbeherrschung von Emilys orgasmusabhängigen Bandkollegen ist: Gitarrist Joe setzt sich gegen Fillys Bass nur zögerlich durch, Schlagzeuger Sly malträtiert die Felle nicht so, wie er eigentlich müsste, und Zweitsängerin Thea ist zwar ein platinblonder Traum von einer Percussion-Frau, aber dann letzten Endes doch zu scheu für die Show, die man hätte erwarten können. Emily and The Orgasm Addicts spielen eine dreckige Mischung aus schleuderndem Rockabilly der 50er, krachigem US-Garagen-Rock der 60er und britischem Punk der 70er Jahre, hier und da ein bisschen psychedelisch verfeinert und mit burlesken Bühnenelementen angereichert. Eine Art musikalische Version eines späten John-Waters-Films über die ewigen Teenagerthemen Suff und Kater (Hangover Country), Liebe und Sex (A Cheaper Kind Of Love), Gesellschaft und Aufbegehren (No Function) und was es sonst noch so an leicht vertextbaren Klischees gibt. Nichts Neues also, aber unterhaltsam genug und an einem späten Freitagabend, an dem man eh nicht mehr viel zu erhoffen hat, vielleicht sogar genau das Richtige. URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=108170&em_loc=12
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 13.08.2009 | 18:38 Uhr | kn | Jens Raschke
Ohrenbetäubend aggressivAlways Wanted War und Seenot wüteten in der Schaubude
Kiel - Mannomann, dass das die Ohren aushalten, wundert sich der Rezensent schon beim zweiten Song von Always Wanted War und meint damit seine eigenen. Herrjemine, und dass das die Stimmbänder mitmachen, denkt er nur einen Song später und meint damit nicht die eigenen, sondern die von Sänger Dennis. Wobei dieser das plumpe Wort „singen“ wohl eher als Beleidigung empfinden würde: Mit weit aufgerissenen Gesichtsöffnungen schreit und krakeelt Dennis ins Mikro, zerrt gleichzeitig hochgeschwind an den Saiten seiner Gitarre und verbiegt und verrenkt sich bei alldem vor lauter Anspannung und innerem Überdruck wie ein stuhlendes Frettchen. Dies sei hiermit gesagt und gelobt: Always Wanted War sind eine fürwahr famose Screamcore-Band! Der halbstündige Auftritt in der überschaubar besuchten Schaubude (ist eben Pech, wenn man am selben Tag spielt wie Life Of Agony) gerät zu einer äußerst kurzweiligen Lektion in Sachen aggressiver Präzisionsarbeit. Always Wanted War beherrschen das Sägen und Brettern auf erstaunlich hohem Niveau, wenn man bedenkt, dass sich das Cuxhavener Trio erst im vergangenen Jahr zusammengefunden hat, nachdem Frontmann Dennis und Schlagzeuger Henning zuvor drei Jahre lang als Duo gewerkelt haben. Mit Bassist Nikolas haben sie die ideale Ergänzung für ihren kraftvollen und erstaunlich abwechslungsreichen, durchaus auch mal melodischen Sound gefunden und gemeinsam die erste EP eingespielt, von der freilich auch einige der dargebotenen Stücke stammen: The Battle Has Been Won But War Has Just Begun. Ihre kleine Sommertour führt die drei Niedersachsen durch den hohen Norden; begleitet werden sie dabei von den vier Kollegen von Seenot aus Rendsburg. 2006 gegründet, haben Seenot bereits im Frühjahr 2007 ihren ersten Tonträger aufgenommen und herausgebracht, spielten im Vorprogramm von Tackleberry und Escapado und frönen nach wie vor ihrem nicht sonderlich originellen, dafür umso wuchtigeren Metal/Hardcore-Stil. Thorsten und Micha grölen und kreischen, dabei kräftig die Gitarren schrubbend, als ob sie noch jede Menge Ersatzstimmbänder im Schrank hängen hätten. Basser Jörn und Schlagzeuger Andreas ziehen derweil die nicht immer ganz dichte Rhythmusmauer in die Höhe: Die Moshmachine läuft auf vollen Touren. Schade, dass man von den Texten nicht sehr viel mitbekommt (auch wenn Micha eine diesbezügliche Anfrage aus dem Publikum mit einem lapidaren „würdest du eh nicht verstehen“ zurückweist). Laut Online-Hardcore-Fanzine Get Closer To Your Scene bilden die Texte von Seenot nämlich immerhin „einen gelungenen Spagat zwischen persönlichen und gesellschaftlichen Themen und verkörpern eine gewisse Frustration, die sehr gut mit dem Klangbild der Band harmoniert“. Na ja, das gilt zwar zu einem gewissen Grad sicherlich auch für die Wildecker Herzbuben, aber was soll's: Wer so schön schreit, muss wohl dann doch irgendwo Recht haben. Oder? URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=107590&em_loc=12
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ THE VADERS, THE DRIFTWOOD FAIRYTALES / 10.08.09 – Kiel, Schaubude
Nächster Tag, selber Ort, wieder Punkrockzeit – da vergleiche ich doch automatisch gestern mit heute, zumindest in Punkto Atmosphäre, Publikum et cetera. Und da mag es doch überraschen, dass bei grob gesagt ähnlicher Stilistik die gestrigen und die heutigen BesucherInnen eine geringe Schnittmenge eint. Tatsächlich sind offenbar die meisten Leute, die gestern ADOLESCENTS gesehen haben, zu Hause geblieben, heute scheint auch der Altersdurchschnitt um 15 – 20 Jährchen geringer. Macht ja nix, nur lag gestern von vorneherein die Stimmung eines „Happenings“ in der Luft – die Vaders & die Treibholzmärchenonkel müssen sich eine solche wohl erst erarbeiten. Ob ihnen dies gelingt? Über THE DRIFTWOOD FAIRYTALES schwebt nicht nur der Geist der aufgelösten F-THREE – mit Sänger Zeki haben sie ein Ex-Mitglied dabei und dat Merch (sowie fiese Zwischenrufe) macht Ex-Bassist Lüder. Ansonsten klingen die Vier bereits recht eigenständig – melodischer Punk mit einer gewissen Relaxtheit, wie sie etwa bei LEATHERFACE anzutreffen ist, herrscht hier. Die Gitarren sind nicht bis zum äußersten Grad verzerrt, lassen spieltechnisch gern mal Raum für die eingängigen Gesänge. Und ja (um zur eingangs aufgeworfenen Frage zurückzukehren): Die Stimmung steigt da doch beträchtlich. Montag gilt bekanntermaßen als schwierigster Tourtag, wenn das der Indikator für diese Tour ist, dürfte sie für die Bands äußerst zufriedenstellend verlaufen. THE VADERS haben es geschafft, aus der Masse herauszustechen, finde ich. Man fragt sich ja als Mensch mit Band manchmal, warum zur Hölle eigentlich überhaupt irgendjemand bei diesem gigantischen Meer an Veröffentlichungen die eigene Platte kaufen soll. Nun, die erste VADERS-Platte HABE ich mir gekauft und auch oft und gern gehört. Diese Tour präsentiert bereits das zweite Werk „A Link To The Past“. Während der Titel Old School-Charakter verspricht, würde ich den Stil und die Ausführung eher als zeitlos charakterisieren, dazu noch auf locker internationalem Niveau. Live macht die Chose genau so viel Spaß. Der lange Sänger erinnert mich irgendwie an Ulf Nagel, wie er seine Mitstreiter überragt und mit dem Kopp wackelt. Mit ordentlich Schmackes werden die Streetpunkhymnen gerotzt und durch entsprechend Applaus honoriert. Für einen Song übernimmt DRIFTWOOD-Zeki das Mikro und hüpft begeistert durch die Bude. Bleibt also übrig, ein eindeutig positives Fazit zu ziehen oder um es mit einem VADERS-Songtitel zu sagen: „Keep Up The Good Work!“
http://mosh.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1685&Itemid=112 ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ 11.08.2009 | 18:05 Uhr | kn | Jens Raschke
Markerschütternder PunkThe Driftwood Fairytales und The Vaders in der Schaubude
Kiel - Es ist ein rührender Anblick: Manuel Püschel, baumlanger Frontmann der Vaders, steht in der Umbaupause auf der Schaubudenbühne, lugt mit bangem Blick zur recht niedrigen Decke empor und macht einen vorsichtigen Trockentest in Sachen dynamisches Hochhüpfen. Nee, so geht das nicht, entscheidet er, man will sich ja nicht die Rübe verbeulen. Beim Konzert wird er sich zum Auf- und Abspringen lieber in den Zuschauerbereich begeben; ist gesünder.
Auch sonst ist das Punkrock-Doppelprogramm, welches in der Schaubude innerhalb von weniger als zwei Stunden (inklusive besagtem Umbau) vonstatten geht, weniger hirn- als markerschütternd. In einem positiven Sinne, versteht sich. Neun Konzerte lang teilen sich The Driftwood Fairytales aus Berlin mit The Vaders aus Ibbenbüren die Clubbühnen der Republik. Und man versteht und ergänzt sich doch recht gut, wie es den Anschein hat. Als musikalische Anwärmer erledigen die vier Herren von den Driftwood Fairytales - Zeki (Gesang, Gitarre), Markus (Gitarre), Micha (Bass) und Jan (Schlagzeug) - ihre Sache mehr als lediglich befriedigend. Geformt aus den Überresten von F-Three, Amiens und den noch existierenden Francesco, hat sich das Quartett dem vornehmlich unbekümmerten, melodisch-poppigen Skatepunk à la Kid Dynamite oder Gang Green verschrieben. Den eigenen Sound vergleichen die Driftwood Fairytales auf ihrer MySpace-Seite leicht poetisch mit „einem kleinen Stück Holz, welches auf einem langen Fluss dahingleitet und so manches klassische Zeug erlebt“. So kann man es sehen und hören, wenn man möchte. Jedenfalls weiß man nun, was es mit dem märchenhaften Bandnamen auf sich hat. Nach einer kurzweiligen knappen halben Stunde räumen die Berliner die Bühne, der recht ordentlich gefüllte Zuschauerraum entleert sich rauchpausenwärts auf die Straße und Vaders-Frontmann Manuel testet, wie schon beschrieben, die architektonisch zugelassene Hüpfhöhe. Anno 2000 hat sich das Quartett (benannt natürlich nach Star-Wars-Buhmann Darth Vader) in „Ibbtown“, Hardcore-Hochburg und Heimatstadt der befreundeten Donuts, gegründet. In der aktuellen Konstellation - Manuel Püschel (Bass, Gesang), Peter Lehnert (Gitarre, Gesang), Johannes Rolf (Gitarre) und Henrik Hölzen (Schlagzeug) - spielt man, nach dem universitätsbedingtem Ausstieg (ja, auch Punks studieren heutzutage) von Ex-Drummer Daniel Lammers, erst seit Kurzem zusammen. Zwei Alben schmücken bislang die Diskografie: The Vaders (2003) und A Link To The Past (2009), beide von der nationalen Fachpresse gelobt. Über 250 Konzerte hat man bereits absolviert, stand auch schon mit Anti-Flag auf der Bühne. Mit schnellem, scharfen Streetpunk der sogenannten alten Schule warten die Nordrheinwestfalen auf, aggressiv und angstfrei. Im Handumdrehen fließt der Schweiß in Sturzbächen von Stirn und Schultern, wogt die Zuschauerschar von Anfang an freudig mit. Am Ende gehen alle glücklich, zufrieden und im Hirn unerschüttert ihrer Wege. Ein anständiges Punkrock-Konzert war das; im durchaus doppeldeutigen Sinne. URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=107194&em_loc=12
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- THE ADOLESCENTS, CHAOS-CONTROL / 09.08.09 – Kiel, Schaubude
Schuld ist ein Kuchen! Nein, eigentlich ist El Tofu schuld, denn der hat Torsten mitgebracht, welcher wiederum einen Kuchen dabei hatte. Selbstgekaufte Fertigbackmischung, trotzdem lecker. Und DESHALB gehen wir viel zu spät los (nämlich als der Kuchen alle ist) und verpassen CHAOS-CONTROL komplett. Erst denk ich noch, dass ich verarscht werde, als man mir draußen verkündet, dass die erste Band schon gezockt habe, doch ein verschwitzter Moe ist der Beweis. Fuck. Aber zum Glück kann uns der Joyboy berichten: Ein beachtliches Maß an Rücksicht kommt heute denjenigen zu, die am nächsten Tag arbeiten müssen. So beginnt die erste Band noch deutlich vor 22 Uhr! Das gibt es in Kiel bei einem Konzert mit nur zwei Bands doch äußerst selten, genauso wie den für die Schaubude ungewohnt hohen Eintrittspreis von 8 Euro, aber immerhin kommt da ja auch nicht irgendwer. Könnte mir vorstellen, dass für die ADOLESCENTS andernorts noch deutlich mehr gelöhnt werden muss. Obwohl nicht alle mit einem derart frühen Beginn rechnen und erst nach dem Auftritt der ersten Kapelle eintrudeln, ist bei CHAOS CONTROL der Laden bis auf den altbekannten Halbkreis vor der Bühne schon ganz ansehnlich gefüllt. Da die Band bekanntermaßen aus unsympathischem Gerümpel besteht, mit dem ich auch privat nichts am Hut haben möchte, ist es wohl umso erstaunlicher, dass ich für BockyCasiAchimMoe nur Lob übrig habe. Im Vergleich zu den letzten Konzerten fallen mir dabei zwei Dinge besonders auf:
Auch das vom letzten Meierei-Konzert noch gut in Erinnerung gebliebene „Die Katze sitzt am Fenster“ (oder so ähnlich) gibt es zu hören. Moe stellt zuvor noch klar, dass es sich bei der Flensburger Band mit den halbverzerrten Gitarren und den Texten, die ihre Aussagelosigkeit mit unverständlicher Metaphorik kaschieren und der „Die Katze“ gewidmet ist, nur um Mr. Burns handeln kann. Außerdem kündigt er den Einsatz eines Gesichtsausdruckes an, den er sich bei einem Punkrocksängerfernkurs gekauft habe. Ich hab keine Ahnung, wie viel Kohle dabei draufgegangen ist, aber nach dem Genuss des Ergebnisses denke ich trotzdem, ambitionierte Bands sollten ihre Kohle trotzdem lieber weiterhin dafür verschwenden, ihre Interviews nur noch als Engländer verkleidet in London zu geben, oder um sich als Support-Act bei Silbermond & Co. einzukaufen, anstatt einen dieser Kurse zu belegen. Aber sonst toll wie immer. Ich, Philipp, übernehme dann mal wieder: Die ADOLESCENTS gehören zu den Bands, die mir seit Ewigkeiten ein Begriff sind, von denen ich aber irgendwie keine Platte habe. Unbewusst kennt man dann aber doch eine ganze Handvoll Stücke, die man getrost als Punk-Klassiker bezeichnen kann. Zunächst ist die Band optisch schon mal sehr interessant. Zwischen den vier altgedienten Recken zockt ein Teenager Gitarre – wenn die Gerüchte stimmen der Sohn des originalen Klampfers, der wohl keine Lust mehr hatte. Da hat er flugs mal seinem Knirps die Songs beigebracht, ihn dann irgendwann mit einem Arschritt in die weite Punkrockwelt verabschiedet. Der „Kleine“ weiß sich aber zu behaupten und meckert den Rest der Band schon mal aus, wenn jemand sich verspielt… Der Hammer sind die dreistimmigen Chöre, die sich perfekt anhören, als läge gerade eine BAD RELIGION-Scheibe auffem Teller. Anfangs sind die noch ein wenig zu leise, was aber schnell geregelt wird. Dazu keift und schreit der Sänger, was sich einfach nur geil anhört. Erstaunlicherweise ist der Typ offenbar so heiser, dass er beim Reden zwischen den Songs kaum krächzen kann. Macht aber nichts, denn die Ansagen übernimmt einfach der Rest der Band, und irgendwie hört man beim Singen keinerlei Beeinträchtigung der Stimme. Die Schaubude ist übrigens gerammelt voll, die Hitze unbeschreiblich. Da ist es draußen endlich mal bisken kühler und man begibt sich freiwillig in so eine Saunaofenhölle… Stillstehen mag trotzdem niemand, schaubudenuntypisch geht heute richtig Pogo ab. Viele Gesichter sind aufgetaucht, die man richtig lange nicht gesehen hat, was dem Abend eine besonders ausgelassene Atmosphäre verleiht. Alte Schule, und die ADOLESCENTS verkörpern die Schulleitung... So wird die Band immer wieder angefeuert, „Kids Of The Black Hole“ oder „I Hate Children“ sind lauthals geforderte Stücke, die dem Mob auch gewährt werden. Ein völlig grandioser Abend, und das an einem Sonntag. Ein recht großer Teil des Publikums bleibt auch einfach und feiert weiter. Am nächsten Tag dann: THE VADERS & THE DRIFTWOOD FAIRYTALES – wir werden auch dat mal unter die Lupe nehmen, also bis gleich. http://mosh.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1683&Itemid=112 -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- The Adolescents: Freude, schöner Götter-PunkDie Band zehrte in der Kieler Schaubude vor allem von ihren alten Hits
Kiel - Social Distortion, Agent Orange, Foo Fighters: große Namen des Business. Wer hätte gedacht, dass diese Typen, die zum 30-jährigen Jubiläum einer Band namens The Adolescents in der Schaubude auf der Bühne stehen, eben diese lebenden Legenden in ihrer Vita aufführen? Und da stehen sie nun. Steve Soto spielt den ersten Powerakkord, Tony Reflex lässt seinen heiseren Gesang erschallen, während sich der Rest der Truppe ebenfalls ins Konzert rumpelt. Ein Sound, so very old school, dazu die Hits, die vor allem vom Erstlingswerk - dem sogenannten
blue album - stammen. Geboren aus dem Grau kalifornischer Vorstädte, waren es The Adolescents, die dem US-Punk um 1980 herum zur Größe verhalfen. Unzählige Besetzungswechsel später und nach der zeitweiligen Auflösung auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, haben sich Soto & Co wieder zusammen gefunden. Tony Reflex wirkt neben der Spur. Die Matte ist lang geworden, und der Sänger scheint das Publikum kaum wahr zu nehmen. Der Ozzy Osbourne des Punk-Rock wacht immer dann auf, wenn der nächste Song ansteht. Und davon gibt es zum Glück reichlich heute Abend in der proppenvollen Schaubude. Die Masse riecht nach Schweiß und Bier, grölt textsicher Stücke wie Wrecking Crew, Brats In Battalions oder I Hate Children mit. Derek O'Brien knüppelt den Viervierteltakt mit traumwandlerischer Sicherheit, und es reichen einmal mehr drei Akkorde, um die Götter des Punk-Olymp in Ekstase zu versetzen. Wären die Hits nicht, das Konzert der Adolescents könnte fast beliebig ausfallen. Steve Soto ist fett geworden, und auch der Rest der Band hat schon bessere Tage gesehen. OC Confidential, aufgenommen 2005, schließt den Kreis zum rauen Charme der Veröffentlichungen der frühen Achtziger, tatsächlich ist nicht zu unterscheiden, welcher Song welcher Dekade entspringt. Das ist konsequent. Und ein Indikator, dass The Adolescents alles gesagt haben. Unterm Strich steht eine Party. Und den Song Kids Of The Black Hole einmal live zu hören, war das Ausharren in einem Raum, dessen Sauerstoffgehalt bereits zu Beginn des Konzerts gegen Null tendierte, allemal wert. URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=107025&em_loc=12
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 09.08.2009 | 18:44 Uhr | kn | Carsten Purfürst
Ein køstliches Kieler Eisen
Kiel - „Letztes Jahr war ich nur fett, jetzt bin ich fett und nass.“ Peyni schwitzt. Der Frontmann von Vaza Køstlich gibt auf dem Gig zur Release-Party der EP Don't Stop The Beat alles. Bei diesen Temperaturen keine leichte Aufgabe. Die Band Vaza Køstlich nimmt es sportlich, animiert das zahlreich vertretene Publikum in der Schaubude zum Tanzen. Der erste Song ist eine Granate und lässt die Hoffnung auf eine Sensation aufkeimen: arrangiert auf Weltniveau, tolle Hooklines, poppige Harmonien und im Kontext einfach nur originell. Diesen Standard zu halten, dürfte vielen Künstlern schwer fallen.
Doch nach zehn Songs auf mehr oder minder durchschnittlichem Verköstigungsniveau, legt das Quartett zum Ende des knapp 90-minütigen Konzerts nach. Vor allem neue Songs fungieren als Garant für schweißtreibende Tanzeinlagen. Schlagzeuger Renny weiß, mit welchen Mitteln eine Band wie Joy Division den Rock'n'Roll neu definierte und huldigt diesem Erbe, während sich das Gitarrenspiel von Ben grundsolide, bisweilen ein wenig vorhersehbar, über den Discorhythmus des Basses legt, der von Red-G mit stoischer Coolness performt wird. Es reicht oftmals ein einziges Thema, um die obligatorischen drei Minuten zu füllen. Timing-Schwankungen treten heute Abend auffällig häufig zutage, was die Durchschlagskraft des ansonsten fett daherkommenden Grooves stört. Peyni zuckt, stolziert, verrenkt die Gliedmaßen. Eine erfrischende Manie, die schon bald Hemd und Hose ruiniert und davon zeugt, wie schwer hier gearbeitet wird. Hier ist Leidenschaft im Spiel - und Discobeat. Zum Schluss patzen Vaza Køstlich, in dem sie ihren eigens definierten „Hit“ Don't Stop The Beat noch einmal spielen. Ganz davon abgesehen, dass das Ablesen eines Songtextes vom Papier ebenfalls ein No-Go darstellt. Doch dies ist nur ein winziges Fehlerteufelchen in einem Konzert, das diese Band als ganz heißes Eisen der Kieler Szene präsentiert. Schlussendlich liegt Peyni der Länge nach gefällt zwischen Verstärkern und Mikrofon. Was das alles mit Knäckebrot zu tun hat, bleibt ein Geheimnis. URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=106808&em_loc=12
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 10.07.2009 | 18:30 Uhr | kn | Jörg Meyer Vor der Sommerpause bewies die Jury ein glückliches Händchen
Poetry Slam: Mal die heiße Luft angehalten
Kiel - „Halt mal still, Welt, steh mal Kopf, Welt, mach mal halblang und halt dochmal die heiße Luft an“, plädiert Anke Fuchs, Kölner Gast beim Poetry Slam in der Schaubude, für leiser und nachdenklicher gesetzte Worte. Solche haben es beim Slam gewöhnlich schwer. Doch beim letzten vor der Sommerpause hört man vor dem brandenden Applaus, der Fuchs auf den ersten Platz spült, während ihres Vortrags die berühmte Stecknadel fallen. Und dass man diese in Gestalt guter Texte nicht im üblichen Slam-Heuhaufen suchen musste, dafür sorgten diesmal manche der insgesamt zwölf Poeten auf der Bühne und eine Publikumsjury, die dies auch honorierte.
Wie jede Kunst ist der Slam da besonders gut, wo er sich und seine Machart reflektiert, wo er das Spielchen, das hier allmonatlich vor rappelvoller Schaubude gespielt wird, ironisch auf die Schippe nimmt. Darauf fast schon abonniert ist das Kieler „Team & Struppi“. Jasper Diedrichsen und Moritz Neumeier, als einzeln auftretende Slammer diesmal leider nur laut und lau, ventilieren comedy-reif die heiße Luft im Fernsehen. Wie schön oder schaurig wäre es, wenn „Arte nie mehr Poesie zeigte“, wenn im Wissenschafts-Boulevardmagazin Galileo bewiesen würde, dass sowohl Adams wie auch Adolfs Eva (von der Herman nicht zu schweigen) „unter ADS litten“? Und wie witzig, wenn es in Goethes „Faust“ TV-kompatibel hieße: „Ich bin der Geist, der stets verneint!“ „Echt?“ „Nein!“ Das ist zwar laut und anarchisch, aber wie der Schlachtruf von „Team & Struppi“: „Stark!“ - und zweiter Platz. Noch besser karikiert der Baseler Gast Laurin Buse die bloß heiße Luft, die manche Slam-Kollegen verbreiten, denn „Regeln in der Poesie sind wie Ironie in den Regeln“. Wie er in der „Befreiung ohne das kleine Büchlein“ einen Vers-Soldaten sagen lässt, der die Slam-Poesie aus ihren verschossenen Worttrümmern wieder aufbaut und dazu rappt, wie eine Beatbox selbst aus Automarkennamen grooven kann, wenn sie nur ihren „eigenen inneren Takt trommelt“. Solchem „eigenen Rhythmus“ widmet Buse im Finale eine flammende Philippika - gegen „die Pauke des Systems“ und für die Stille: „Lass uns Stein sein und Werfer und Wasser!“ Das Publikum applaudiert ihn dafür lautstarkgleich mit Anke Fuchs auf den ersten Platz. Den eigenen Rhythmus gegen die Paukenschläge des Systems Slam bringen auch Schriftstehler, Vicky Siebenlist und Patrick Kruse in Anschlag. „Es ist alles geklaut, mit dir als Echo“, weiß Schriftstehler und auch den Ausweg aus solchem Slam-Dilemma: „Wenn du selbst den Ton angibst, kommt das Echo von den anderen“ - als 25 Punkte, mit denen er nur knapp das Finale verfehlt. Auch in Vickys „42einhalb Zeilen Selbstbetrug“, ein Kleinod sprachlich gereifter „Mädchenpoesie“, hält der Slam den Atem an. Und in Patricks Pandämonium aus dem Plattenladenkeller, wo „das Vinyl keine Rillen mehr hat“ und „das Schicksal eine selbstsüchtige Schlampe ist“. Wie das Schicksal so der Slam - aber eine manchmal sehr schöne. URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=101811&em_loc=12
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 09.07.2009 | 19:19 Uhr | kn | Jörg Meyer
Langlebige LegendeDie Punk-Oldies The Freeze aus Massachusetts kommen in die Schaubude
Kiel - 31 Jahre haben The Freeze aus Cape Cod, Massachusetts auf dem Band-Buckel und zählen damit zu den ältesten noch bestehenden Punk-Bands. Bis 2008 war Sänger Clif Hanger das einzig verbliebene Gründungsmitglied der seit 1978 ständig wechselnden Besetzung. Zur Europa-Tour, an deren zweiter Station The Freeze morgen in die Schaubude kommen, ist auch Leadgitarrist und neben Hanger wichtigster Song-Schreiber Bill Close wieder dabei. The Freeze sind legendär. Wobei „Legende“ ein Begriff ist, den sie nie für sich beanspruchten, weil Punk und langlebige Legende eigentlich ein Widerspruch sind. Punk ist kurzlebig, augenblickshaft - und lokal, wie Hanger schon Anfang der 80er postulierte, als sich die damals noch Schülerband vom verschlafenen Cape Cod aus aufmachte, um schon im nahen Boston nicht so richtig anzukommen. Denn die dort aufkeimende Szene verzettelte sich in Scheingefechten mit Punkern von der West Coast. Ohne The Freeze - sie machten einfach ihren Hardcore. Texte wie „I hate tourists / Tourists suck / It's only their daughters / I wanna fuck“ beunruhigten vom Fremdenverkehr lebende Provinzler in Cape Cod, kaum aber die Großstadt. Gleichwohl waren sie die authentischen Worte für die lokale Punk-Revolte. Die dennoch bald im ganzen Land die Szene bewegte. The Freeze hatten keine Horden von Fans, aber viele Nachahmer mit tausenden Anhängern. Sie gelten als eine der einflussreichsten Punk-Bands überhaupt, doch weckten nie das Interesse eines Major Labels. Was auf Gegenseitigkeit beruhte. Sie brachten ihre - je nach Zählweise - 17 Alben, Singles und EPs „punk alike“ heraus, in geringen Auflagen und teils „handgemacht“. Ihr Debüt war verpackt in farbiges Papier, geklaut aus dem Kunstraum der High School und mit Filzstift beschriftet - Sammlerstücke, die im Internet heute Preise von mehreren hundert Dollar erzielen. Spätere Neuauflagen imitierten diesen Stil, der genauso „Punk“ war wie Clif Hangers „multi-selbstzerstörerischer Lebenswandel“. Letzteren habe der 47-Jährige „jetzt unter Kontrolle“, so liest man im Netz, passend zum gerade vergangenen Jubiläumsjahr, seit dem sich The Freeze nicht mehr ganz so rar machen. Ein Studio-Album, das erste nach zehn Jahren Abstinenz, ist in Arbeit und soll im Herbst erscheinen, die Underground-Labels Schizophrenic Records und Dr. Strange kündigen umfangreiche Werkschauen alter Scheiben an. Vielleicht werden The Freeze erst jetzt, nach solcher Langlebigkeit, zur Legende. URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=101633&em_loc=12
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- THE MONGOLOIDS, NEW MORALITY / 29.06.09 – Kiel, Schaubude
Geil, endlich wieder ein schönes Hardcore/Punk-Konzi! Vielleicht kommt es auch nur mir persönlich so vor, weil ich einfach sehr viel zu tun hatte, aber es scheint viiiel zu lange her seit dem letzten Mal. Somit bin ich heftig auf Entzug und will heute Krach. Die Confis hatten außer den Amis THE MONGOLOIDS und NEW MORALITY (Holland) eigentlich noch eine dritte Band angekündigt (COLLAPSE aus Hamburg), aber die mussten absagen. Das ist schade, aber nach dieser negativen Überraschung folgt eine positive: Das Schaubuden-Team hat ordentlich geackert und den Laden umgestaltet. Und: Das Ergebnis ist richtig klasse! Ohne das bisherige Flair zu beeinträchtigen, ist alles ein wenig gemütlicher und geräumiger. Neue Lämpgen anner Decke, überall wat Farbe. Und der Raucherraum ist der Burner! Ich verrat mal nix, seht es euch selbst an… NEW MORALITY beginnen den Reigen. Instrumental okay, wenn auch nicht sensationell gespielt, gefällt mir vor allem der Gesang. Der Kollege am Mikro klingt zwar zwar schön angepisst, aber auch nicht wie so ein charakterloser Brüllaffe. Eher erinnert es an besten klassischen HC-Gesang im Stile Paul Bearers. Musikalisch kommt man wohl um den MADBALL-Vergleich nicht herum, denn treibendes Midtempo regiert. Viel ist übrigens nicht los heute, was mir zwar den Abend nicht verleidet, aber doch unschön für die Veranstalter ist. Der Sänger von NEW MORALITY hatte schon von THE MONGOLOIDS geschwärmt und seine Begeisterung für die Band geht so weit, dass er uns alle, die wir draußen zum Schnacken rumstehen, wieder in die Bude scheucht, als es losgehen soll. Die Amis sind zwar mit einem fragwürdigen Bandnamen ausgestattet, überzeugen aber auf Anhieb. Sehr zackig spielen die, der Schlagzeuger stellt sich schnell als TIER heraus, der in jede Bewegung extra Schub einbringt. Die Jungs genießen es, ab und zu schön verschleppte und kranke Parts einzubauen und die Gitarristen feuern auch mal Hardcore-untypische Leads ab. Erinnert durchaus mal an ACCÜSED, wobei der Sänger dazu eher klassisch shoutet. Man merkt den MONGOLOIDS allerdings an, dass sie sich nicht so wohl vor lediglich einer Handvoll Leuten fühlen. Kürzlich noch mit AGNOSTIC FRONT vor offenbar vollen Klubs unterwegs, vermissen sie möglicherweise das automatisch abgehende Publikum. Der Sänger fragt uns sarkastisch, ob wir denn den Abend genießen und stößt ob der zwei, drei gemurmelten „Hmm“s ein noch sarkastischeres „Oh, really? Really that much?“ aus. Selbst zum Gehen-auf-der-Stelle lässt sich die „tough crowd“ nicht animieren. Aber wenigstens feiern NEW MORALITY am Rand jeden Ton… Das Fazit fällt für mich positiv aus, wobei der Trend etwas bedenklich ist, dass viele Bands lediglich nur noch 20-Minuten-Sets spielen. Heute ist das für mich okay, da ich eh früh hoch muss und von beiden Bands einen Eindruck gewinnen kann, aber generell darf es doch etwas länger sein. http://mosh.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1635&Itemid=112 ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- CAPTAIN FLINT, SODIUM / 12.06.09 – Kiel, Schaubude
Ein Abend mit den Ex-ABGELEHNT-Jungs (minus Moe und plus Svenosch natürlich) sowie den Kollegen von SODIUM verspricht spaßig zu werden, also Rucksack gefüllt, geschultert und ab zur Saubude. Auf dem Weg vergrößert sich unsere Gruppe von zwei auf fünf Personen, was jedoch eine Gruppe junger Saufbolde nicht hindert, sich uns zu nähern, vor uns aufzubauen und drohend zu fragen: „Seid ihr Punks oder Nazis?“ Erst nachdem wir unsere Identität wahrgemäß offenbart haben und das Grüppchen uns begeistert ziehen lässt, fragen wir uns, was wohl passiert wäre, wenn wir uns als gewaltbereite Hammerskins (mit Perücken) ausgegeben hätten?
Aber well, nicht lange warten und es geht los mit den Jungs aus Häven. Die sind noch quasi in der Anfangsphase, um die 17 Jahre alt im Schnitt und wollen es entsprechend wissen. Nun könnte man als Uneingeweihter denken, dass eine Band vor diesem Hintergrund ja keine großartigen Roots haben könne oder überhaupt Skepsis angebracht sei. Von wegen! SODIUM kommen schön wütend – so einen Wutklumpen hat man zuletzt bei den ersten Auftritten der noch jungen CHAOS CONTROL erlebt, lang isses her. Und dabei knüppeln SODIUM mehr, streuen aber abwechslungsreiche Passagen ein, interessante Basslinien und wechseln zwischen Gekreisch und tiefen HC-Shouts. Ab und zu gibt’s auch ‘nen Mitgröhl-Refrain. Jeder im Raum spürt das große Potenzial. Das offenbart sich zwar heute nur in begeisterten Kommentaren und nicht in wildem Pogo, aber den können SODIUM sicher beim nächsten Kiel-Besuch abernten.
CAPTAIN FLINT sind zwar auch eine neue Band (erster Auftritt heute), aber sie haben es natürlich vom Fleck weg leicht. Insgesamt ist das eine schöne Fortsetzung des ABGELEHNT-Stils, wobei der stramme Captain vielleicht mehr rockt als brachialpunkt. Auch Hülsis Bass kommt gut zur Geltung, während Axel sich ordentlich die Rübe rottrommelt. Schnacki erzählt uns weiterhin von gebrochenen Herzen und kaputten Beziehungen. Zum Glück nicht verpackt in spackige „Balladen“, Romantik kommt bei dem räudigen Gegröle zum Glück gar nicht erst auf. Auch Svenosch (mit Ex-SEXTO SOL-Gerhard im Gitarrenduo) darf mit seiner engelgleichen Stimme mal ran, wenn ihm nicht gerade Moe aus dem Mob das Mikro wegreißt. Ein paar ABGELEHNT-Knaller gibt es natürlich auch, die nochmal unterstreichen, dass diese Band viel zu früh von uns gegangen ist. Aber nu gibt’s ja CAPTAIN FLINT!
Pics by JoyBoy Love http://mosh.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1613&Itemid=112 ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- FUZZ MANTA – 03.06.09, Schaubude, Kiel
Mittwochabends in Kiel – auf der Bühne der Schaubude steht eine ambitionierte Band, die ihren Tourauftakt zelebrieren möchte. Doch wenn sich grade mal 10-15 Besucher einfinden, ist das gar nicht so einfach … … doch die dänische Hardrock – Combo lässt sich nicht wirklich von diesen widrigen Umständen beeinflussen (auch wenn einer der Gitarristen ziemlich resigniert die Zuschauer laut zählt…), sondern gewinnt ihr Publikum mit einer erlesenen Darbietung. Vor ca. einem Jahr war die Band schon mal vor Ort. Sängerin Lene erinnert daran, sagt aber nicht, ob damals auch nur so wenige Leute da waren ;-) . Die Frontfrau ist es denn auch, die mit ihrer netten, kommunikativen Art ihre Sidekicks und die Besucher animiert. So steigert sich die Stimmung denn auch von Song zu Song – die Band verliert ihr bisschen Zurückhaltung und die Freaks vor der Bühne spenden begeisterten Applaus. Wobei letzteres auch nicht besonders schwer fällt, denn die Mucke von FUZZ MANTA ist über jeden Zweifel erhaben. Ihr Hardrock der in den Siebzigern basiert und mit „moderneren“ Elementen (KYUSS) aufgefrischt wird, rockt sich – mal treibend, mal schleppend – right into the Hör- und Nervenzentrum. BLACK SABBATH lassen ebenso grüßen wie LED ZEPPELIN (nur, um die großen Namen zu nennen), Stoner Rock trifft Blues und Hippie – Stil. Und wenn dann Lene ihre wohltuend dunkle, etwas raue Stimme erhebt, fühlt man sich auch ein wenig an Janis Joplin erinnert. Lene selbst mit ihrem Aussehen und ihrer Kleidung verkörpert fast diese Ikone von damals. Die neue Scheibe „Smokerings“ steht eindeutig im Mittelpunkt des Abends. Songs wie „Night Fright“ oder „Mysterious Thoughts“ zeigen die Klasse der DännInen. Aber auch ältere Songs, wie z.Bsp. diese unter die Haut gehende Ballade, die sich zum Ende hin in eine mitreißende ROCKnummer verwandelt, wissen absolut zu überzeugen. Ob nun straighte Rocker oder ausufernde Solopassagen der Gitarristen in schön langen, hypnotisierenden Songs – Ausfälle gibt’s hier keine! Es ist pure Freude, den Musikern auf die Finger gucken zu können (Platz is’ ja genug …) oder sich einfach dem treibendem Rhythmus hinzugeben und im Takt mitzuwippen und mitzugrooven. Als Belohnung gibt’s sogar noch zwei Zugaben und so erstreckt sich die Spielzeit am Ende auf deutlich über `ne Stunde – und das für fünf Euro … Toller Einsatz - einfach Klasse! Ich hoffe FUZZ MANTA kommen noch mal wieder …
Torsten http://mosh.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1597&Itemid=112----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 29.05.2009 | 19:29 Uhr | kn | Carsten Purfürst
Frisch, deftig, clever: misses next match überzeugten in der Schaubude
Kiel - „Tanzt du aus der Reihe - oder bist du mittendrin?“ Enter Thetainment, Donna Thewetta und Rob Thebotta mögen nicht nur alberne Künstlernamen, sondern rocken das halb gefüllte Haus. Bass, Gitarre, Beats und „Gefrickel“ im personellen Wechsel, ist die Hamburger Band misses next match nichts für einen Katersonntag. Wenn in
Don't Paint The Devil On The Wall oder Wer neu ist im Fight Club muss kämpfen Gitarrenakkorde im Sechzehntel-Takt zerhackt werden und Elektro-Drums loskloppen, geht dieser Sound sofort ins Blut. Ob Festzelt oder Großraumdisco heißt das Debüt-Album der Band, ist erst seit wenigen Tagen auf dem Markt. Vielleicht ist es die erbarmungslos treibende Elektronik im Hintergrund, die dem Publikum in der Schaubude keine Wahl lässt, als zumindest mit dem Kopf zu nicken oder auch ein Song wie Achtung Achtung, der als Ode an den Schnaps einmal mehr das Thema Party tanzbar aufbereitet. Mit misses next match wird ein Rock'n'Roll-Tier aus der Hansestadt auf die Menschheit losgelassen, das mit dieser Frische und Deftigkeit echte Gegner in den endlosen Weiten moderner Indie-Popmusik sucht. „Wo ein Schmerz ist, ist noch Leben!“ drückt Enter Thetainment die nächste Textzeile monoton ins Mikro. Donna Thewettas Bass liefert auch mal die Melodie, der Gitarre reichen drei schräge Töne - schon wird die nächste Hymne angestimmt. Punkig und ausgeflippt, von der Neuen Deutschen Welle beeinflusst, an den Kollegen ClickClickDecker erinnernd und bewusst Kommerzialität meidend, gestalten misses next match ein kurzweiliges Programm, das von den Frontmannqualitäten von Enter Thetainment profitiert, der permanent den Kontakt zum Publikum sucht. Vor allem in den Zugaben beweisen die Jungs noch mal, dass ihre älteren Stücke den Perlen auf Ob Festzelt oder Großraumdisco in nichts nachstehen. Enter Thetainment lehnt da lässig am Tresen, Donna Thewetta und Rob Thebotta arbeiten daran, die Bühne zum Einsturz zu bringen. Ein Erlebnis. URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=94508&em_loc=12
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 28.05.2009 | 19:12 Uhr | kn | Karen Jahn
Brigitte Handley & The Dark Shadows elektrisierten in der Schaubude
Kiel-Dunkle Schatten über der Kieler Schaubude: Brigitte Handley & The Dark Shadows machten im Rahmen ihrer Europa-Tour auch an der Förde halt, um ein cooles, knackiges und lärmendes Rock'n'Roll-Psycho-Punk-Irgendwas über den gut besuchten Club herniederprasseln zu lassen. „Dark edged punk noir“ nennt die Australierin selbst ihren Sound. Sie sträubt sich wie manch anderer Künstler, in starr definierte Genre-Schubladen gesteckt zu werden. Und in der Tat ist das, was Handley (Gesang, Gitarre), Carly Chalker (Bass) und Nerida Wu (Schlagzeug) auf der kleinen Schaubuden-Bühne fabrizieren, irgendwie besonders, kreuzt musikalische Stilrichtungen geschickt mit jeder Menge Bühnenenergie und Style.
Die hochgewachsene Rockerbraut aus Sydney stilisiert sich gekonnt katzenhaft, mit kühlem Blick aus dick mit Kajal umrandeten Augen. Mit der Unnahbarkeit einer Marlene Dietrich auf dem Rock'n'Roll-Trip wirkt sie geheimnisvoll, gar gefährlich, wenn sie mit ihrer Stimme ungeahnte Tiefen auslotet und dabei auch mal sekundenlang Augenpaare aus dem Publikum fixiert. Wenn Handley der coole Part dieser Dreier-Kombo ist, sorgen Chalker und Wu mit unübersehbarer Energie und Spielfreude für Auflockerung. Die drei Ladies preschen kräftig vor. Wenn sie etwa mit Mad At You ihren PS-starken Rock'n'Roll-Truck anschmeißen, kesselt das mal so richtig. Sleeping With The Vampire swingt dagegen fast entspannt vor sich hin, und mit Lament Of A Lost Soul haben die Damen von Down Under auch eine düster-süßliche Ballade im Gepäck. Textlich geht's bei Handley und Co um Entfremdung, vergiftete Liebe, um Rache und dergleichen Düsteres mehr. Nur allzu passend das Tour-Motto: „Darkness Calls“. Mitte 2006 traf Handley Kollegin Chalker auf einem Punk-Konzert. Sie schlossen sich zusammen, jammten ein wenig und fanden mit Wu schon wenig später die geeignete Drummerin. Seitdem geht's für die drei Damen stets und ständig rund um den Globus. Bereits mit namhaften Kollegen wie die Stray Cats, Mad Sin oder auch The Meteors durften sie die Bühne teilen. Zwei EP's gehen auf das Konto des Trios. Sein Kieler Publikum hat es begeistert. URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=94295&em_loc=12
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http://mosh.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1555&Itemid=112 ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 28.04.2009 | 18:53 Uhr | kn | Manuel Weber
Vielfalt soll auf jeden Fall erhalten bleibenDie neuen Chefs der Kieler Schaubude setzen auf bewährte Strukturen
![]() Kiel - Dicki sitzt auf der sonnendurchfluteten Terrasse des l'etage, wirft ein Kartoffel-Lauch-Gratin ein und konstatiert gelassen: „Wir sind halt ein bisschen bescheuert.“ Von Lo kommt ein breites, einverstandenes Grinsen. Nachdem sie vor einem Jahr in Flensburg das „Hummels Eck“ eröffnet haben, stehen die beiden Freunde und Geschäftspartner auf der nächsten Baustelle. Unter ihnen schläft die Schaubude, ihr neuer Club. Am 9. Mai ist Neueröffnung. Doch die Übernahme der Schaubude ist weit davon entfernt, ein Kamikaze-Unternehmen zu sein. Das „Hummels Eck“ haben die beiden, die sich vor acht Jahren beim Trampen kennen und schätzen gelernt haben, innerhalb eines Jahres von einer Bier&Korn-Pinte in eine alternative Jedermann-Kneipe mit kleinem Veranstaltungsprogramm verwandelt. „Hier in Kiel ist das ja sogar noch was anderes. Das ist ein fertiger Laden mit fertigem Konzept, das wir so übernehmen können, weil uns das auch so Spaß macht“, meint Lo, das nordfriesische Allroundtalent, zuständig für „Papierkrams und Besorgungen“. Also keine Veränderungen in der Schaubude? „Ich hatte ja mal eine Punkband und irgendwie kursiert hier das Gerücht, die Schaubude würde jetzt ein reiner Deutschpunk-Laden werden. Das ist absoluter Schwachsinn; ich mag Deutschpunk nicht mal, war nur das Einzige, was ich spielen konnte“, lichtet Dicki den Nebel in der Gerüchteküche. „Eigentlich bin ich mehr aus der Hardcore-Ecke, höre aber generell alles. In meinem Plattenregal stehen Led Zeppelin, Black Sabbath, und wenn sie gut gemacht ist, hör ich auch mal Popmusik. Die Vielfalt soll in der Schaubude auf jeden Fall erhalten bleiben.“ Auch an den Personalstrukturen ändere sich nichts, stellt Dicki klar. „Hase, Ed Berg, Gerald, Horst Pillau Jr., Moser, Fanski, Matze und so, die legen alle weiter auf. Wir haben uns schon mit allen getroffen und alle haben Lust weiterzumachen.“ Auch große Umbauten soll es nicht geben. „Mal sehen, wie es aussieht, wenn Hatto seine ganzen Sachen raus hat“, sagt Dicki. „Da kommen dann ein paar persönliche Sachen von uns rein und dann ist gut.“ Die Geschicke des Clubs sollen nicht von Flensburg aus geleitet werden. Dicki sucht bereits in Kiel eine Wohnung. „Meine Freundin studiert hier; insofern passt das ja auch. Außerdem müssen ja auch die Künstler irgendwo unterkommen.“ Auch Lo wird immer mal vorbeischauen, „schon wegen der Liefergeschichten; schließlich habe ich den Wagen. Aber das ist hier schon mehr Dickis Ding, auch wegen der Band-Geschichten“. Dicki, der sein Booking-Handwerk während einiger Jahre als ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Jugendzentrum Schleswig gelernt hat, freut sich auf seine Kieler Zeit: „Ich war mal aufm Soulniter hier und bei den Disturbers und Tackeberry; da war es brechend voll, aber das allgemeine Schaubuden-Klientel ist mir trotzdem noch unbekannt. Viele Leute kennen lernen und Spaß mit denen haben, das ist das, was ich will.“ URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=88869&em_loc=1
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